Ruhrpott meets Niederbayern

Ralf Erwart aus Castrop-Rauxel und Martin Kemmerling aus Wetter (Ruhr) besuchen die Clubkollegen bei ihrem Stammtisch Niederbayern / Oberpfalz in Tiefenbach

 

Mittwoch, 13.5.

 

„Helm auf und los geht’s“. Das ist der Startschuss von Ralf per WhatsApp. Ich habe jetzt noch etwa 30 Minuten Zeit bis zu unserem Treffpunkt an der Tankstelle bei der Anschlussstelle „Volmarstein“ an der Autobahn A1. Es ist kalt, nicht mal 10 Grad! Ich ziehe mir den dicksten Pullover und die Textilkleidung inkl. Innenfutter an; das muss einfach reichen. Die Regenkleidung ist griffbereit auf dem Motorrad fixiert. Dann fahre ich mit meiner Bonneville T100 auch los. Wir treffen uns an der Tanke, und Ralf füllt noch einmal seine Bonneville T120 auf, bevor es losgeht. Die Tour war lange geplant und von Ralf sorgfältig vorbereitet. Für alle Etappenziele sind Hotelzimmer reserviert. Die Idee für unsere Tour ist in Hilders im vergangenen Jahr entstanden, als Falk, Ralf und ich abends beim Bier zusammensaßen. Die besten Ideen entstehen ja bekanntlich beim Bier, meistens bei dritten oder vierten!

 

Wir fahren über Landstraßen durch Ennepetal, Breckerfeld, Halver, Kierspe, Meinerzhagen, Drolshagen und kommen nach Olpe. Die Temperaturen sind noch auszuhalten, und bislang ist es trocken geblieben. An der dortigen Auffahrt zur A45 beschließen wir, etwas abzukürzen und die Höhenzüge von Sauer-, Sieger- und Wittgensteiner Land wegen des Wetters zu vermeiden und ein Stück Autobahn zu fahren. Es werden etwa 55 km bis nach Dillenburg. Dort fahren wir durch den Ort, folgen der B277 nach Süden und biegen auf die B255 in Richtung Marburg ab. Wir kommen am Aartalsee vorbei, dem diesjährigen Ziel der Maiausfahrt. In Weimar an der Lahn ist es Zeit für eine Pause. Ich kenne den Ort ganz gut, weil hier meine Schwester wohnt, die ich hin und wieder besuche, u.a. auf meinen Motorradfahrten nach Hilders oder zu früheren Jahreshauptversammlungen in der „Birke“ in Schotten. Wir kehren ein im „Seepark“ an einem stillgelegten Baggersee. Bei schönem Wetter ist hier der Bär los; es gibt ein Freibad, eine Wasserski-/Wakeboard-Anlage und eine Innen- und Außengastronomie. Heute ist wegen des bescheidenen Wetters natürlich nichts los. Wir bleiben etwa eine Stunde und wärmen uns mit Kaffee etwas auf. Inzwischen setzt auch leichter Regen ein, den wir erst einmal abwarten.

 

Gegen 13 Uhr brechen wir wieder auf; der Regen ist fast beendet und wir riskieren die Weiterfahrt ohne Regenkleidung. Mein Navi will uns in eine Richtung schicken, die mir nicht geheuer ist. Wir widersetzen uns und fahren lieber so, wie ich meine letzte Tour nach Schotten zur JHV gefahren bin, denn Schotten ist auch heute unser Ziel. Es geht über fast leere Straßen und eine schöne Landschaft vorbei an Rabenau, Grünberg und Laubach in den Vogelsbergkreis mit seinen tollen Motorradstrecken. Am Nachmittag erreichen wir Schotten, fahren einmal durch den Ort zur einzigen Tankstelle und füllen dort nach, um morgen früh durchstarten zu können. Wir checken nach ca. 270 km Fahrt (gemessen ab Castro-Rauxel; für mich sind es 30 km weniger) in unserem Hotel „Haus Sonnenberg“ ein, wo wir zwei Zimmer in einem separaten Gebäude, dem sogenannten „Gästehaus“ bekommen. Die Zimmer sind sehr klein und minimalistisch ausgestattet. Mir fällt dazu der Begriff „Zelle“ ein. Das Bett ist nur 1,90 m lang, für meine Körperlänge etwas knapp bemessen; Ralf ergeht es genauso. Aber das Hotel ist grundsätzlich okay und hat sogar einen Wellnessbereich, den wir benutzen dürfen. Eine warme Dusche und ein paar Bahnen im Schwimmbad entschädigen uns für die niedrigen Temperaturen während der Fahrt.

Hallenbad im Hotel Sonnenberg in Schotten

Am Abend gibt es ein Drei-Gänge-Menü, bei dem es ebenfalls nichts zu meckern gibt. Nach ein paar Bierchen ist der Tag für uns beendet und wir verschwinden in unsere „Zellen“.

 

Donnerstag, 14.5.

 

Zum Glück funktioniert die Heizung in unseren „Zellen“, sodass unsere Klamotten über Nacht trocken und warm geworden sind. Mit dem Ausruf „Attacke“ von Ralf begeben wir uns zum gut ausgestatteten Frühstücksbuffet. Anschließend können wir frisch gestärkt losfahren. Es ist gegenüber dem Vortag noch etwas kälter geworden; die Wetter-App meldet 6 Grad. Ich ziehe direkt meine Regenkleidung zusätzlich an, um nicht zu stark zu frieren. Ich gebe meinem Navi vor, uns nach Würzburg zu führen. Es führt uns über kleine ruhige Straßen in Richtung Südosten. Blöderweise ist mein Navi nicht online und hat daher keine Informationen über Baustellen und Streckensperrungen. Das Problem taucht auf unserer Tour mehrfach auf. Die offiziellen ausgeschilderten Umleitungen sind leider oft sehr weitläufig und kosten viel Zeit und zusätzliche Kilometer, weil der Verkehr aus den kleinen Ortsdurchfahrten herausgehalten werden soll. Ein freundlicher Mann an der Straße sagt uns, wie wir der Straßensperrung ohne große Umwege ausweichen können. Dann geht es über Freiensteinau, Schlüchtern und Jossa in den Freistaat Bayern, wo wir einer Straße entlang dem Fluss „Sinn“ folgen, der in Gemünden zusammen mit der Fränkischen Saale in den Main fließt.

 

Ab hier folgen wir der B26 in Richtung Würzburg. In einem Kreisverkehr bei Gemünden kommen wir – für mich unbemerkt – einer Gruppe Triumphfahrern entgegen, bei der auch Roger dabei ist. Was für ein Zufall; die Welt ist doch klein! Im schönen Ort Karlstadt machen wir eine Pause. Wir stellen die Motorräder am Rande der Fußgängerzone in der historischen Altstadt ab und gönnen uns einen Kaffee in einem Eiscafé.

Kaffeepause in Karlstadt am Main

Karlstadt hinterlässt bei uns einen guten Eindruck, aber es muss ja weitergehen. Wir folgen weiter der B26, die zusammen mit einer Bahnstrecke parallel zum Main verläuft. Es geht durch Würzburg, vorbei an Biergärten und unter der historischen Steinbrücke hindurch, die abends von Weintrinkern bevölkert wird.

 

Am Ortsausgang von Würzburg wechseln wir auf die B13, eine gut ausgebaute und leider auch stärker befahrene Straße in Richtung Südosten. Dafür geht es zügig voran; wir können fast durchgängig mit Tempo 100 fahren, ausgenommen natürlich Ortsdurchfahrten und Kreuzungsbereiche.

 

In der Stadt Ansbach machen wir noch einmal eine Kaffeepause. Es setzt leichter Regen ein, der sich aber zum Glück nur als Schauer herausstellt, sodass wir ohne nass zu werden die Fahrt wieder aufnehmen können. Es geht weiter über die B13 bis zu unserem Zielort Gunzenhausen. Am Ortseingang finden wir direkt eine Tankstelle, an der wir nach ca. 260 km Fahrt wieder auffüllen können, bevor es zum „Parkhotel Altmühltal“ geht. Das Navi lotst uns dabei zielsicher durch den Ort. Wir bekommen Stellplätze in der Tiefgarage und riesige Zimmer mit ebenfalls großzügigen Badbereichen.

 

Wir ziehen uns um und erkunden Gunzenhausen zu Fuß. Es ist ein netter Ort im Altmühltal am gleichnamigen Radweg mit einer historischen Altstadt und touristischem Ambiente. Wegen des Feiertags und es vergleichsweise guten Wetters ist viel los in Gunzenhausen. In einem Biergarten, der sich „Ponyhof“ nennt, ist es richtig voll, und die Leute werden mit lautstarker bayerischer Blasmusik beschallt.

Altstadt von Gunzenhausen

In der Fußgängerzone gönnen wir uns ein Erfrischungsgetränk, nach dem wir einen Spaziergang durch die Altmühlauen gemacht haben.

 

Zurück im Hotel testen wir den Bar-Bereich und genießen anschließend das im Hotel-Arrangement enthaltene Drei-Gänge-Menü. Es folgt noch das ein oder andere Bierchen, und dann ist auch dieser Tag für uns gelaufen.

 

Freitag, 15.5.

 

Das Frühstück im Hotel lässt keine Wünsche offen, um gegen 9:20 Uhr brechen wir auf, diesmal wieder ohne Regenkleidung. Das Navi gibt nach kurzer Strecke wieder auf, weil es unerwartet auf eine Straßensperrung zusteuert. Wir folgen mangels Alternative der ausgewiesenen Umleitungsstrecke. Es ist eine schöne Strecke über wenig befahrene kurvige Straßen, vorbei an einigen Seen im Altmühltal. In der Nähe von Hilpoltstein kreuzen wir die A9 und es geht weiter Richtung Osten vorbei an Beilngries, Hemau und Painten. Nach einer kurzen Pause auf einem Parkplatz an der Straße geht es weiter nach Regensburg, wo wir am Mittag eintreffen. Wir biegen von der Hauptdurchfahrtstraße ab und landen direkt am nördlichen Ende der berühmten Steinernen Brücke, die über die Donau führt.

Steinerne Brücke in Regensburg

Wie immer wird sie von zahlreichen Fußgängern und Radfahrern bevölkert. Am südlichen Ende der Brücke befindet man sich schon in der Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Beim „Wurstkuchl“ stärken wir uns mit Rostbratwürstchen und Sauerkraut, bevor es weitergeht.

 

Wir fahren auf die B8, die uns aus Regensburg herausführt und verspricht, uns nach Passau zu führen. Aber so einfach ist es nicht, wie sich herausstellt. Mehrfach ist die B8 wegen Bauarbeiten gesperrt, und wir müssen teilweise umfangreiche Umleitungsstrecken fahren. Das ist in diesem Fall aber kein Nachteil, sondern eher von Vorteil, weil wir so der recht langweiligen, geradlinigen Streckenführung der B8 ausweichen und dafür schmale und kurvige Nebenstrecken befahren, die uns durch nette Dörfer führen. In einem dieser Dörfer füllen wir noch einmal unsere Tanks auf, bevor wir den Rest unserer Tagesetappe bestreiten. In Vilshofen überqueren wir die Donau und fahren über schmale Nebenstrecken bis nach Tiefenbach zum „Gasthof Knott“. Heute sind es 273 km gewesen.

Wir checken ein und bekommen für unsere Motorräder Stellplätze im verschlossenen Innenhof. Per WhatsApp informieren wir Falk über unser Eintreffen und beziehen zunächst unsere Zimmer. Falk kommt kurze Zeit später dazu und begrüßt uns.

 

Es ist noch früh, aber es trudeln nach und nach die Teilnehmer des heutigen Stammtisches der Region „Niederbayern / Oberpfalz“ ein. Es ist zwar recht kühl, aber trocken, und so nehmen wir einen Tisch im Biergarten in Besitz, an dem wir immer wieder weitere Stühle platzieren müssen.

 

Zum eigentlichen Stammtisch begeben wir uns in den Innenbereich, wo für uns zwei große Tische reserviert sind. Es wird ein lustiger Abend mit vielen netten Triumph-Fahrern bzw. -Fahrerinnen, die zum Teil von weither angereist sind. Zwischendurch fällt der Aufruf „Trinkpause“; dann werden kurz die laufenden Gespräche unterbrochen. Wir stoßen mit unseren Gläsern an, trinken daraus und dann geht es weiter bis zur nächsten Trinkpause. Leider haben wir unseren Aufsteller vom Stammtisch „Ruhrpott / Bergisches Land“ nicht dabei. Ich habe die Befürchtung, dass der Aufsteller den Transport, insbesondere das Verzurren meiner Gepäckrolle auf der Sitzbank, nicht unbeschadet übersteht. Ralf fertigt daher ein spontanes Provisorium an.

Provisorischer Tischaufsteller

Ralf hat als Mitbringsel aus dem Ruhrpott eine Flasche „Dortmunder Tropfen“ von der Brennerei Krämer mitgebracht, von dem wir alle ein Gläschen verkosten. Wir wechseln hin und wieder unsere Sitzplätze, um mit verschiedenen Leuten ins Gespräch zu kommen. Hin und wieder haben wir Verständnisprobleme, wenn mit ausgeprägtem bayerischem Dialekt gesprochen wird. Weil Falk über den Stammtisch einen eigenen Bericht schreibt, werde ich das an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

 

Samstag, 16.5.

 

Es sind noch andere Teilnehmer vom Stammtisch über Nacht geblieben, und so frühstücken wir zusammen, bevor wir uns verabschieden. Falk kommt kurz nach 9 Uhr von zuhause noch einmal dazu, weil wir noch eine gemeinsame Ausfahrt machen wollen. Ebenfalls dabei sind noch Falko und Anette aus Illertissen, die zusammen auf einer 1200er „Tiger“ unterwegs sind.

 

Gegen 9:45 Uhr fahren wir fünf mit vier Motorrädern los, und Falk führt uns zunächst zu einem Aussichtspunkt am „Oberhaus“ hoch über Passau mit einem tollen Blick von Norden auf die Stadt. Man sieht den Zusammenfluss von Donau und Inn; den Zufluss der Ilz kann man leider nur ahnen.

Blick auf Passau

Nach einer Fahrt durch die Altstadt über schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster geht es zu einem weiteren Aussichtspunkt an der Wallfahrtskirche Mariahilf, die aktuell renoviert wird. Der Aussichtspunkt liefert einen eindrucksvollen Blick von Süden auf Passau. Danach geht es in einer Berg- und Talfahrt mehrfach über die deutsch-österreichische Grenze. Auf österreichischer Seite kehren wir im Außenbereich der Gaststätte „Passaublick“ ein und genießen die dort bestehende Aussicht von Osten auf Passau.

 

Nach einer Tasse Kaffee brechen wir auf und es geht steil abwärts ans Ufer der Donau, der wir ein paar Kilometer flussabwärts folgen. Nach kurzer Fahrt kommt Regen auf, der sich diesmal leider nicht als kurzer Schauer darstellt. Wir machen eine kurze Pause und ziehen die Regenkleidung über. Mit einer Fähre geht es über den Fluss zurück nach Bayern in der Ort Obernzell. Der Regen wird stärker und es macht nicht wirklich viel Spaß weiterzufahren. In dem kleinen Ort Untergriesbach beschließen wir, einzukehren und den Regen abzuwarten. Das Regenradar deutet an, dass wir etwa 90 Minuten überbrücken müssen. Die Bedienung ist sehr freundlich und versorgt uns mit Getränken und Speisen; die nassen Klamotten können wir an der Garderobe und über Stuhllehnen abtropfen lassen.

 

Tatsächlich schwächt sich der Regen dann ab, ohne ganz aufzuhören. Wir bezahlen und brechen auf. Falko und Anette wollen weiter in Richtung Tschechien; Ralf und ich möchten uns schon in Richtung Norden orientieren. Also verabschieden wir uns hier, wünschen uns gegenseitig Gute Fahrt und fahren getrennter Wege. Falk führt uns über Hauzenberg, Hutthurm und Tittling zur B85, auf der wir zügig in Richtung unseren nächsten Etappenziels Cham nach Norden kommen. Es ist eine schöne kurvige Strecke mit Steigungen und Gefällstrecken durch den Rand des Bayerischen Waldes. Eigentlich wollten wir weiter östlich durch den Bayerischen Wald fahren und die Orte Grafenau, Spiegelau, Zwiesel und Bodenmais sowie den Großen Arber mitnehmen; aber die Wetter-App und das Regenradar sagen uns, dass das wegen des bestehenden Regengebiets keine gute Idee ist. So bleiben wir eben auf der B85, um schnell voranzukommen. Etwas nördlich des Ortes Eberhardsreuth fahren wir auf einen Parkplatz und verabschieden uns von Falk, der von hier aus den Rückweg in Richtung Passau antreten will. Ralf und ich starten durch in Richtung Regen. Es ist weiterhin eine schöne Strecke durch den Bayerischen Wald mit Kurven, Bergen und Tälern. Wir kommen durch die Stadt Regen und nähern und dann unserem Ziel, dem Hotel „Sonnenhof“ kurz von der Stadt Cham. Die Zimmer sind einfach, so ähnlich wie die „Zellen“ in Schotten, haben aber alles, was man benötigt. Es gibt sogar einen Restaurantbetrieb im Haus; aber es ist noch relativ früh, das Wetter ist gut und ein Spaziergang wird uns guttun. Also gehen wir etwa 2,2 km in den Vorort Chamerau in das dortige Gasthaus „Bäckerwirt“. Hier bekommen wir für knapp zwei Stunden noch einen Tisch, bevor dieser für andere Gäste reserviert ist. Das reicht uns für ein gutes Abendessen inkl. Getränke. Das Gasthaus liegt am Fluss „Regen“, der hier sogar ein paar kleine Stromschnellen besitzt.

Hotel Sonnenhof in Cham

Nach 2,2 km zurück zum Hotel gönnen wir uns noch einen Absacker; dann ist auch dieser Tag erledigt; es sind heute nur etwa 170 km gewesen, hat uns aber auch gereicht.

 

Sonntag, 17.5.

 

Ralf holt mich wieder mit dem Aufruf „Attacke“ von meinem Zimmer ab. Das Frühstück im „Sonnenhof“ ist erstaunlich gut; wir hätten das den beiden älteren Herrschaften, die den Laden schmeißen, gar nicht zugetraut. Es gibt sogar Weißwürste und süßen Senf dazu; da müssen wir natürlich zulangen.

 

Wir gehen wieder auf den B85 in Richtung Norden. Die Straße ist teilweise autobahnähnlich ausgebaut, etwas langweilig zu fahren und für Motorradreisende wenig attraktiv. Im Zentrum von Amberg fahren wir in die Altstadt und stellen die Fahrzeuge am Rand der Fußgängerzone ab. Es ist jetzt richtig sonnig, und wir genießen einen Kaffee im Außenbereich eines Cafés direkt auf dem Marktplatz an der Basilika St. Martin (was für ein Zufall, mein Namenspatron 😉).

Kaffeepause auf dem Marktplatz von Amberg

Dann geht es weiter, wieder auf die B85 über Sulzbach-Rosenberg und Auerbach in der Oberpfalz. Es geht ein Stück über die B470, von der wir dann links auf eine kleinere Straße abbiegen, die uns nach Pottenstein in der Fränkischen Schweiz führt. Hier ist die Landschaft plötzlich ganz anders; es gibt interessante steile Felsformationen mit Kletterfelsen, einer Tropfsteinhöhle und einem spektakulären Skywalk. Es ist viel los in Pottenstein, und wir beschließen eine Pause in einem Biergarten zu machen, der gerade geöffnet wird.

 

Das nächste Zwischenziel ist der Biergarten bei Kathi Bräu Heckenhof in der Nähe des Ortes Aufseß. Dies ist auch ein Biker-Treffpunkt, und wir mischen uns unter die anderen Motorradfahrer, die heute hier ebenfalls ihre Mittagspause verbringen. Wir genießen Rostbratwürste und Obatzda sowie ein alkoholfreies Getränk, bevor es für uns weitergeht. Es geht weiter auf schmalen Straßen durch die malerische Fränkischen Schweiz in Richtung Coburg, wo wir Zimmer im Hotel „Gerbermühle“ reserviert haben. Kurz vor Coburg gibt es mal wieder eine Baustelle mit Sperrung einer Ortsdurchfahrt. Die offizielle Umleitung hätte uns wieder einen Riesenumweg beschert, aber dank eines Hinweises eines Anwohners konnten wir eine kleinräumige Umfahrung machen. Die letzten Kilometer nach Coburg geht es über die autobahnähnliche B4. Unser Hotel liegt im Zentrum am Rand einer Fußgängerzone. Das Navi führt uns nach den heutigen 235 km sicher dorthin, und wir stellen die Motorräder ab. Dies wird von einer Polizeistreife beobachtet, die uns dann einen anflicken will, weil wir ein paar Meter im Fußgängerbereich stehen; wir behindern dabei jedoch niemanden. Nachdem Ralf erklärt, dass wir nur eben im Hotel einchecken werden und in wenigen Minuten wieder verschwunden sind, belässt man es bei der mündlichen Verwarnung; nochmal Glück gehabt!

 

Der Betreiber des Hotels „Gerbermühle“ ist ein netter Kerl, ebenfalls Motorradfahrer; ich glaube, er fährt eine Harley-Davidson-Maschine. Er lotst uns zu seiner Tiefgarage, wo wir die Mopeds gefahrlos abstellen können. Dann beziehen wir unsere Zimmer. Es ist ein merkwürdig verbautes Gebäude; wir müssen uns die Wege zu unseren Zimmern gut merken.

Trinkpause im Brauhaus in Coburg

Wir gehen in die Stadt und finden einen großen Biergarten direkt im Zentrum. Dort genießen wir das gute Wetter und ein paar Gläser vom einheimischen Bier, bevor wir im Brauhaus in Coburg zu Abend essen. Zum Schluss leeren Ralf und ich auf dem Zimmer noch die bayerischen Schnapsfläschchen, die Falk uns zur Erinnerung in die Hand gedrückt hat.

 

Montag, 18.5.

 

Mit „Attacke“ sammelt Ralf mich ein. Nach dem Frühstück geht es gegen 9 Uhr los. Wir verlassen Coburg in Richtung Norden und fahren über Nebenstraßen über Bad Rodach nach Thüringen. Es geht durch den Kreis Hildburghausen und die Stadt Meinigen nach Bad Salzungen. Das Wetter ist gut und kein Regen in Sicht. Gegen Mittag erreichen wir Bad Salzungen und machen dort eine Kaffeepause in der Ortsmitte.

 

Die Wetter-App deutet inzwischen an, dass von Westen eine Regenfront heranzieht. Wir nehmen das zum Anlass, unsere Pause zu beenden und begeben uns auf die Fahrt nach Bad Hersfeld über die B62. Das ist nicht besonders toll, aber in Anbetracht der Wetterlage zweckmäßig. Wir kommen gut voran, und hinter Bad Hersfeld gelangen wir über Nebenstrecken in Richtung unseres Zielortes Battenberg (Eder). Wir kreuzen die A7 in der Nähe von Kirchheim und kommen ins Knüllgebirge. Die Orte Oberaula und Schwarzenborn fallen mir auf; hier war ich vor 48 Jahren mal auf einer Schießübung während meiner Bundeswehrzeit. Wir nähern uns unserem Ziel und es sind nur noch etwa 20 Kilometer. Wir fahren auf einer kurvigen Straße durch ein Waldstück, als plötzlich ein Reh zehn Meter vor mir die Straße überquert. Ich muss an unseren TMOC-Kollegen Michael Hippe denken, bei dem vor ein paar Jahren eine solche Begegnung in einer Katastrophe endete. Ich glaube, an den Folgen leidet er heute noch. Ich habe heute Glück, und das Tier läuft im Wald einfach weiter. Die Wolken werden immer dunkler und bedrohlicher; hoffentlich schaffen wir es noch im Trockenen bis zur Unterkunft.

 

Leider haben wir Pech; etwa 10 km vor unserem Ziel fängt der Regen an. Es gibt keine Möglichkeit, wo wir uns unterstellen können, und so fahren wir bis zum nächsten Ort, wo wir an einer Tankstelle die Mopeds auffüllen, uns selbst unterstellen und die Zeit mit einem Kaffee vertreiben. Wir warten eine gute halbe Stunde; dann ist der Schauer vorbei und wir fahren in den nassen Klamotten die letzten sechs Kilometer bis nach Battenberg-Dodenau. Hier liegt der „Landgasthof & Bikerhotel Arnold“, wo Ralf für uns Zimmer gebucht hat. Heute sind es 263 km geworden.

Garage im Bikerhotel Arnold in Battenberg-Dodenau

Wir sind ziemlich früh dran, und Ralf muss den Wirt telefonisch über unsere Ankunft informieren. Wir dürfen die Motorräder in einer abgeschlossenen Garage, gekennzeichnet mit „Only Triumph Parking“ unterstellen und beziehen dann unsere Zimmer. Ich platziere mein nassen Motorradklamotten so am Heizkörper, dass eine Chance auf Trocknung über Nacht besteht.

 

Dann entern wir den Schankraum und erholen uns beim Bier von der heutigen Fahrt. Das Abendessen ist kulinarisch nicht besonders wertvoll; die Karte ist sehr Schnitzel-lastig. Aber es schmeckt und macht satt. Ralf hat sein Schalke-04-Kapuzenshirt an und kommt dadurch schnell mit anderen Fußball-Fans im Raum ins Gespräch, insbesondere mit einem Kölner, den das Schicksal aus Köln hier nach Hessen verschlagen hat. Seine kölsche Mundart und die Liebe zum 1. FC hat er natürlich nicht abgelegt. Ralf ist in seinem Element; mit dem Kölner ergibt sich ein lockerer und lustiger Austausch. Zum Schluss kommt noch ein Eintracht-Frankfurt-Fan dazu, und die drei schwelgen beim Bier in ihren Fußball-Erinnerungen. Zum Schluss kommt noch etwas Schnaps ins Spiel, und dann wird es Zeit, den Abend zu beenden.

 

Dienstag, 18.5.

 

Trotz des feuchten Vorabends geht es uns gut. Ein letztes Mal kommt die „Attacke“. Das Frühstück ist nicht besonders vielfältig, für den Preis aber durchaus in Ordnung; ich bekomme sogar frische Spiegeleier an den Tisch gebracht. Wir packen für die letzte Etappe unserer Reise unsere Sachen auf die Motorräder und brechen auf. Wir wollen über Bad Berleburg und den Panoramapark ins Sauerland fahren. Bereits nach wenigen Kilometern gibt es mal wieder eine Straßensperrung. Es ist eine Umleitung nach Bad Berleburg eingerichtet und ausgeschildert, die sich dann als riesiger Umweg von mehr als 25 km herausstellt. Da Wetter ist ganz gut, und wir fahren nach den Umleitungs-Schildern. Es geht durch Bad Laasphe und über die B62 Richtung Erndtebrück. Dort kommen wir endlich auf die Straße zum Panoramapark und die Serpentinen hinunter nach Kirchhundem. Das Navi will mich dort nach links über die B517 in Richtung Olpe schicken, aber dann würden wir den Weg wie auf dem Hinweg nehmen. Deshalb biegen wir nach rechts ab und folgen der B236 entlang dem Fluss Lenne über Altenhundem, Finnentrop, Plettenberg und Werdohl nach Altena. Dort erwartet uns die nächste Straßensperrung auf Grund einer Baumaßnahme, und wieder will uns die ausgeschilderte Umleitung auf einen langen Umweg über Lüdenscheid schicken, was für uns völliger Blödsinn wäre. Wir fahren in Altena in die Innenstadt und besuchen in der dortigen Altstadt ein Eiscafé. Beim Kaffee bzw. Cappucino zeigt ein Blick auf Google-Maps, dass die ausgeschilderte Umleitung wirklich völlig übertrieben ist. Eine kurze Strecke entlang der Lenne auf einer innerstädtischen Straße bringt uns hinter der Sperrung wieder auf die B236 in Richtung Schwerte. Es geht durch Nachrodt, wo die bei der Flutkatastrophe 2021 schwer beschädigte Lennebrücke immer noch nicht wieder zweispurig befahrbar ist, und durch Letmathe nach Schwerte. Im Ortsteil Ergste biege ich ab. Ralf fährt weiter in Richtung Dortmund, und ich nehme die Ruhrtalstraße und fahre über Westhofen, Hohensyburg und Herdecke nach Hause in Wetter-Grundschöttel. Kurz nach 13 Uhr bin ich da, lade das Motorrad ab und stelle es nach heutigen 160 km in die Garage. Ein paar Minuten später geht schon wieder der Regen los …

 

Das war’s, es hat trotz des durchwachsenen Wetters viel Spaß gemacht. Insgesamt waren es für Ralf 1.660 km und für mich etwa 1.600 km. Wir haben beim Stammtisch nette TMOC-Kolleginnen und -Kollegen wiedergetroffen oder kennengelernt. Und ich habe in Deutschland mir noch unbekannte Gegenden erfahren können; was will man mehr?

 

Alles in allem bestätigte die Reise das Motto vom TMOC: „You’ll never ride alone on a Triumph“ 

 

Euer Kassierer

Martin

 Noch ein paar Bilder von der Tour

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Falcon

    Hallo Martin, der Bericht ist sehr gut geschrieben und bebildert. Da fährt man(n) direkt mit beim Lesen. Schöne Grüße und bis Hilders 2026

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