Dass Triumph Motorräder etwas Besonderes sind, war mir schon immer klar, aber die Geschichten, die sich mit ihnen ergeben, überraschen mich immer wieder…
Diese Geschichte fing vor etwas über 10 Jahren an. Beim Stöbern auf einem einschlägigen Kfz-Verkaufsportal bin ich über eine Triton „gestolpert“. Ich hatte gar nicht danach gesucht und plötzlich war da dieses Inserat. So wie die Triton aufgebaut da stand, war sie für mich perfekt. Es waren keine zusätzlichen Umbauten notwendig.
Nach der ersten Kontaktaufnahme war klar, der Verkäufer ist kein normaler Durchschnitts-Motorradfahrer. Er hatte noch eine originale Triumph Trident Rob North, mit der er an Rennen teilnahm. Des Weiteren entdeckte ich bei der Abholung der Triton noch eine schöne originale TR6C. Auf die hatte ich ihn dann auch noch angesprochen und darum gebeten, dass, wenn er sie mal verkaufen möchte, mich bitte zuerst anruft.
Über die Jahre sind wir im losen Kontakt geblieben und ich habe immer mal wieder nach der TR6C gefragt, aber es war nichts zu machen. Er meinte sogar, dass seine Frau ihm verboten hätte, die TR6C jemals zu verkaufen. Mit der Triton hatte ich viele schöne Ausfahrten und habe sie hauptsächlich auf der Rennstrecke genutzt. Mit der Zeit trat sie aber immer mehr in den Hintergrund, da die anderen Motorräder auch bewegt werden wollten. So habe ich sie dann eines Abends testweise im Cafe Racer Forum inseriert, um zu schauen, was passiert. Gefühlt war der Beitrag kaum online, da bekam ich schon einen Anruf. Natürlich wieder kein normaler Motorradfahrer, sondern ein richtiger Enthusiast. Eine Triton war schon immer sein Traum, sagte er, und den wollte er sich jetzt gerne erfüllen. So fiel es mir dann auch nicht schwer, die Triton gehen zu lassen, da ich ja wusste, dass sie in gute Hände kommt und auch weiterhin auf Rennstrecken bewegt wird. Ein paar Wochen später stand eine Urlaubsfahrt in Richtung Schwarzwald mit der Familie auf dem Plan. Diese führte uns auch in die Nähe des neuen Triton-Besitzers. Kurzum haben wir uns verabredet und dann sogar noch eine kleine gemeinsame Ausfahrt gemacht. So konnte ich dann auch mal mit einer Norton Commando aus seinem Bestand fahren.
Kaum zurück aus dem Urlaub bekam ich eine E-Mail. „Ich bin jetzt soweit, ich verkaufe die TR6C und ich kann sie auch nur an dich verkaufen…“
Mist, da hatte ich gerade den Fuhrpark etwas verkleinert und dann sowas…na gut, dachte ich, solche Gelegenheiten wird es wohl nicht mehr so oft geben und jetzt habe ich 10 Jahre gewartet, dann soll es wohl so sein. Also habe ich mich wieder auf den Weg gemacht und wieder ein neues „altes“ Motorrad geholt. Kurioserweise hatte der Verkäufer es damals in Berlin gekauft. So ist es dann mit mir wieder dorthin zurückgekommen. Interessant fand ich damals schon eine TOMCC Plakette am Rahmen. Diese war natürlich noch dran, aber davon später mehr…
Da ich auch die aktuellen Triumphs mag, hatte ich mir 2023 eine Speed Triple RS gegönnt. „Leider“ kam dann 2025 die neue Speed Triple RX raus. Als ich die ersten Bilder der RX im Netz sah, war mein erster Gedanke: „Mist, die sieht ja nochmal besser aus!“ Nach einigen schlaflosen Nächten und viel Hin-und-Her-Überlegen hatte ich mich dann doch für die RX entschieden. Der Händler (Triumph Hochrhein in Bad Säckingen), der mir den besten Preis für die RX gemacht hat und dazu meine RS auch zu einem akzeptablen Kurs in Zahlung genommen hat, war natürlich, wie könnte es anders sein, maximal weit für mich entfernt. Na gut, was will man machen? Also kurzerhand die Familie eingepackt und auf ging es in Richtung Süden zu einem kleinen Kurzurlaub inklusive Motorrad-Tausch.
Ich möchte an dieser Stelle Triumph Hochrhein nochmal ausdrücklich positiv erwähnen. Ich bin von Anfang an sehr gut betreut worden und es hat alles perfekt geklappt. Nach einer Stippvisite in der Schweiz ging es dann in Richtung Bodensee weiter. Wenn man schon mal da ist, muss man sich ja auch alles ansehen. Als alter Steve McQueen Fan wusste ich, dass im Allgäu in der Nähe von Füssen 1963 Dreharbeiten für den Film „Gesprengte Ketten“ stattfanden. Das musste ich mir bei dieser Gelegenheit natürlich ansehen. Der Film dürfte den meisten durch den Motorradsprung von Bud Ekins über den Stacheldraht bekannt sein, für den Steve McQueen dann berühmt wurde. Dafür kam damals eine Triumph TR6 Trophy zum Einsatz, die aber im Film eigentlich eine schwere Wehrmachtsmaschine sein sollte, mit der aber der Sprung wahrscheinlich nicht geklappt hätte. Moderner Navigation sei Dank, fand ich die Scheune, die damals schon im Film existierte und hinter der sich Steve McQueen kurz versteckte, um seine Verfolger abzuschütteln. Ein obligatorisches Foto an der Stelle war natürlich Pflicht.
Die Scheune hat einen kleinen Vorraum, in den man hineingehen konnte. Als ich da kurz reinschaute, sah ich einen Zettel an der Wand, der auf einen Nagel aufgesteckt war. „Karl U.K. TOMCC on a Triumph Bonneville 2nd August 2019“. Cool dachte ich, der Zettel hängt da schon 6 Jahre!
Zurück in Berlin nahm ich dann mit Rogers Hilfe Kontakt zum TOMCC auf. Die Geschichte mit dem Zettel und der Scheune, sowie mit dem TOMCC Batch auf meiner TR6C fand dort reges Interesse. Was ich bis dahin nicht wusste, dass der TOMCC Zugriff auf so ziemlich alle Triumph Produktionsdaten seit 1901 hat. So bekam ich bei dieser Gelegenheit noch die Info, dass meine TR6C als eine von zwei bestellten Motorrädern im April 1969 an Detlev Louis in Hamburg ausgeliefert wurde und von dort aus wahrscheinlich verkauft wurde. An wen, konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Es bleibt also weiterhin spannend…
Text und Bilder von Heiko Niemann